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Sonderausstellung "Kreuz oder Hahn - Da messa ni da priedi"

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Die neue Sonderausstellung, die das Museum Regiunal Surselva (MRS) für Einheimische und Gäste der Reformationsstadt Ilanz ab dem 20. Juni bereithält, handelt von den Ereignissen der Reformationszeit und vom Zusammenleben der Konfessionen in der Gerichtsgemeinde Gruob/Foppa.


Zu Beginn der Ausstellung begrüssen ein Kirchturmhahn und ein Kirchturmkreuz die Besucherinnen und Besucher. Eine eindrückliche gotische Statue führt zurück in die Zeit der Reformation. Es ist die legendäre Muttergottes aus der Kirche S. Glieci in Peiden-Bad. Um sie rankt sich eine typische Geschichte aus der Zeit der Reformation. Es heisst, die Einwohnerinnen und Einwohner von Duvin hätten sich im Ärger über ihr verregnetes Heu vom katholischen Glauben verabschiedet und die Muttergottes aus der Kirche entfernt. Ob sie die Figur tatsächlich, wie es die Legende erzählt, ins Tobel geworfen haben und die katholischen Nachbarn diese in Peiden-Bad aus dem Fluss gerettet, bleibt ein Geheimnis der Geschichte. Weitere Reformationslegenden aus Vals, Falera, Andiast und Ilanz erzählen Martin Gabriel und Peter Loretz an unserer Audiostation.

 

Im 1. Stockwerk geht es sodann weiter mit einer Inszenierung In Teufels Küche. Die Angst vor der Hölle beschäftigte die Menschen bis ins 20. Jahrhundert. In den 1520er Jahren fielen im Dreibündestaat wichtige politische Entscheide als Wegbereiter der Reformation. Die Delegierten beschlossen in Ilanz mit den Artikelbriefen I und II drastische Massnahmen gegenüber den katholischen Geistlichen und beschnitten den Einfluss des Bischofs als Landesfürst. Wir zeigen die 1525 in Augsburg gedruckten 18 Thesen, mit denen sich Johannes Comander auf die Disputation in der St. Margarethen Kirche vorbereitet hatte. Schon wenige Jahre nach der Disputation bedurften die reformierten Pfarrer in Graubünden einer Reglementierung ihrer Tätigkeit und es kam zur Gründung der evangelisch-rätischen Synode. Auf einem Tablet kann in der Synodalmatrikel, einem über 450-jährigen Dokument geblättert und die Unterschriften von Johannes Comander, Philipp Gallizius, Georg Jenatsch und weiteren Bündner Pfarrern entdeckt werden. Einer dieser Pfarrerpersönlichkeiten war Steffan Gabriel, der mit seinem 1611 in Surselvisch verfassten Katechismus die romanische Schriftsprache begründete.

 

Was geschah in den Jahrzehnten nach der Reformation? In der St. Margarethen-Kirche wurden die erst gerade erstellten Deckengemälde mit Kalk übertüncht und in der Kirche Waltensburg verschwanden Christus und die Heiligen ebenfalls unter Kalk. In der paritätischen Gemeinde Sagogn entwickelte sich ein friedliches Zusammenleben der Konfessionen, das sich nicht einmal von der Gegenreformation durch die Kapuzinermission gross erschüttern liess. Nicht immer hielt der Friede zwischen den Konfessionen allerdings an. Die Besetzung der Ämter in der Gerichtsgemeinde Gruob/Foppa war immer mit Rivalitäten zwischen den reformierten und katholischen Nachbarschaften verbunden und erforderte viel Ritual und Reglementierung.

 

Drei Portraits von Pfarrern aus dem 19. und 20. Jahrhundert zeigen das vielseitige Engagement, das die Würde des Pfarramts oder des Lehramts Religion mit sich brachte. Im 19. Jahrhundert brachte die Integration in den Schweizer Bundesstaat neue Rechte bezüglich der Niederlassungsfreiheit mit sich. Die ehemals katholische Minderheit in der Bevölkerung von Ilanz wurde zur Mehrheit, das Kloster wurde gebaut und die katholische Kirche Maria Himmelfahrt.

 

Auch in Ilanz waren die Auswirkungen des Schweizer Kulturkampfs und eine parteipolitsch geprägte Ideologie spürbar. Sie äusserten ich im Lehrmittelstreit, in der Frage, ob der Klostergründer Sigisbert oder der Weltumsegler Robinson der richtige Held für die surselvischen Zweitklässler sei.

 

Heute ist Ilanz multikonfessionell. Ein von der Illustratorin Yvonne Gienal gestaltetes Kartenspiel lädt dazu ein, sich mit den grossen Weltreligionen zu beschäftigen.

 

Ein Wettbewerb, bei dem es gilt, die 13 Fraktionen von Ilanz/Glion aus der Sicht des Kirchturmhahns oder des Kirchturmkreuzes zu erkennen, rundet die vielseitige Sonderausstellung ab.